August 4th, 2010
Der Sound der Werbung überrollt die Musikwelt
Was für die Werbewelt wirksam ist, führt zur Bereicherung der Plattenfirmen und lässt die Klanggestalt neuerer Popmusikproduktionen verarmen. Wer kennt es nicht, das Lautstärkephänomen, wenn die Fernsehwerbung anfängt und man den Fernseher leiser drehen muss? Es ist klar, die TV- und Radiowerbung will sich auch auszahlen, weswegen sie dem Zuschauer, bzw. -hörer auch ganz gehörig auffallen muss. Mit maximaler Lautstärke nämlich. Und das sogar, wenn der Sender seinen Filmen ohnehin das höchste Volumen zugesteht; die Werbung muss lauter. Wie erreicht man das? Nun, wenn man die maximale Lautstärke erreicht hat, muss man, um noch lauter zu werden, Verluste in Kauf nehmen. Das muss man sich so vorstellen: die Lautstärke, die vormals das ausgeschöpft hat, was das Medium hergibt, wird noch weiter angehoben, was dazu führt, dass übersteuert, was über dieses Maximalniveau hinausgehen würde, die leiseren Töne so weit angehoben werden, wie es geht und damitdie Gesamtlautstärke höher erscheint. Folge: die Dynamik geht verloren. Was in der Werbung funktioniert, muss aber in der Musik noch lange nicht von Vorteil sein.
Der klangliche Verlust
Um mp3s besser zu verkaufen, setzen Plattenfirmen ebenfalls auf die Technik des „lauter als am lautesten“. Was sie sich davon versprechen, sind verbesserte Verkaufszahlen, da für den Radiohörer oder den stöbernden Kunden im iTunes-Shop sich ein im Verhältnis zur Konkurrenz lauter klingendes Lied als klanglich besser wahrgenommen wird. Hört man die zu Tode komprimierte, mitunter übersteuernde Musik allerdings auf der heimischen Stereoanlage, geht einem einiges verloren, was die Aufnahme eigentlich bieten könnte: die Euphorie beim Refrain, der lauter ist als der Rest zum Beispiel. Denn wenn die gesamte Aufnahme auf Lautstärke hin optimiert ist, ist die leiseste Stelle so laut wie der Refrain. Verlierer beim „Loudness War“ der Plattenfirmen ist vor allem der Hörer.